Silicon valley verliert den faden: ex-intel-chef warnt vor algorithmischer manipulation

Fast alles, was wir nutzen, steckt heute mit einem Mikroprozessor verbaut. Vom Smartphone über das Auto bis hin zu Haushaltsgeräten – die Technologie ist allgegenwärtig. Doch der Pionier und Kopf hinter dieser Revolution, Federico Faggin, blickt nun kritisch zurück.

Der mann, der silicon valley formte, sieht die digitale welt im wandel

Der mann, der silicon valley formte, sieht die digitale welt im wandel

Nach über fünf Jahrzehnten in den USA kehrt der italienische Physiker und Ingenieur nun in seine Heimatstadt Vicenza zurück. Doch Faggin, einst einer der Architekten von Silicon Valley, ist enttäuscht. Er sieht den einst so dynamischen Innovationshub längst verändert – von einem Ort der unbegrenzten Möglichkeiten zu einer Branche, die vor allem von Algorithmen zur Manipulation dominiert wird.

„Heute werden Softwareprogramme eingesetzt, um die Menschen zu täuschen“, erklärt Faggin in einem Interview mit der Corriere della Sera. Es geht ihm nicht um die grundsätzliche Kritik an der Software selbst, sondern um das Geschäftsmodell, das sich in vielen Bereichen der Tech-Industrie etabliert hat. In seiner Zeit in Kalifornien vor 26 Jahren herrschte eine Atmosphäre des Optimismus, in der „Nein“ eher selten war, stattdessen wurde stets nach Lösungen gesucht. Die Technologie war ein Werkzeug, um Probleme zu lösen und neue Wege zu beschreiten.

Die Entwicklung des ersten kommerziellen Mikroprozessors, des Intel 4004, und weiterer wichtiger Chips wie den 8008 und 8080, legten den Grundstein für die persönliche Computertechnik. Faggin gründete später Zilog und schuf den Z80, einen Chip, der bis heute in bestimmten Systemen eingesetzt wird. Selbst Bill Gates würdigte Faggin einst als unverzichtbar für den Erfolg von Silicon Valley. 2010 erhielt er die US-Medaille für Wissenschaft, Technologie und Innovation – eine Auszeichnung von enormem Wert.

Doch auch seine Karriere war von Auseinandersetzungen um die Urheberschaft seines Erfindens geprägt. Seine Frau, Elvia, spielte dabei eine entscheidende Rolle. Heute widmet sich Faggin der Verteidigung des freien Willens und der ethischen Fragen rund um Künstliche Intelligenz. Er untersucht, wie KI dazu missbraucht werden kann, Entscheidungen zu beeinflussen und Meinungen zu manipulieren. Er warnt vor dem Vertrauen in Technokraten und plädiert für eine verantwortungsvolle Entwicklung der Technologie. Sein aktuelles Projekt, P49 in Padua, konzentriert sich auf eine menschenorientierte KI – ein wichtiger Schritt, um die Kontrolle über unsere digitale Zukunft zu behalten.

Der nächste große Schritt für den einstigen Kopf der Computertechnik ist nicht die Erstellung leistungsstärkerer Chips, sondern die Sicherstellung, dass Technologie uns nicht selbst diktiert. Ein düsteres Bild, das die Notwendigkeit betont, die Kontrolle über unsere digitale Zukunft zurückzugewinnen.”n