Ruhrupfen im ölmarkt: russland profitiert vom iran-konflikt – und was das bedeutet
Der Ölmarkt erlebt einen dramatischen Wandel. Nach jahrelangen Rabatten, die Russland aufgrund westlicher Sanktionen auf seine Ölexporte gezwungen haben, verkauft das Land sein Rohöl nun zu Preisen über dem globalen Durchschnitt. Diese Entwicklung ist eine direkte Folge der geopolitischen Spannungen im Nahen Osten.

Russland profitiert vom öl-boom: eine unerwartete wende
Die Disruptionen im Golf von Persien, insbesondere die Störungen des Schiffsverkehrs im Schacht el-Manát, dem wichtigsten Öltransportschlund der Welt, haben die Lage verändert. Gleichzeitig hat eine eingeschränkte Aufhebung von Sanktionen durch die USA einige russische Lieferungen ermöglicht. Das Ergebnis: Die Nachfrage nach russischem Öl ist gestiegen und die Preisprämien sind explodiert.
Alexander Nowak, der russische Vizepremierminister, bestätigte die Entwicklung. „Wenn es einen Mangel auf dem Markt gibt, ist unser Öl und unsere Erdölprodukte gefragt und die Rabatte sind gesunken, in einigen Bereichen werden Verkäufe nun sogar mit einer Prämie getätigt.“ Auch Präsident Wladimir Putin räumte den außergewöhnlichen Gewinn ein, warnte aber vor übermäßigem Optimismus. „Wir müssen Besonnenheit bewahren. Märkte, die sich heute in eine Richtung bewegen, können morgen in die entgegengesetzte Richtung laufen.“
Die Ölerträge sind für Russland von großer Bedeutung. Sie machten historisch gesehen mehr als ein Drittel des Bundeshaushaltes aus. Die Ukraine-Krise hatte diese Einnahmen bereits belastet, doch der Konflikt mit dem Iran hat die Situation grundlegend verändert. Die Exporte sind seit Beginn der Kämpfe im Februar auf über 270 Millionen Dollar pro Tag gestiegen – ein mehrfacher Anstieg gegenüber den 135 Millionen Dollar im Januar.
Experten von Rystad Energy schätzen, dass die Ölproduktion unter das Niveau der Pandemie-Ära gefallen ist. Die von der IEA angekündigte Freisetzung von 400 Millionen Barrel aus strategischen Reserven reicht nicht aus, um diesen Engpass nachhaltig zu kompensieren. Bis vor kurzem war der Markt durch hohe Lagerbestände und eine erwartete Überschussproduktion von rund 3 Millionen Barrel pro Tag gestützt.
Der Preis für Brent-Rohöl stieg nach Beginn des Konflikts zunächst auf fast 120 Dollar pro Barrel. Nachfolgende Rücksetzer haben die Preise zwar gesenkt, doch die Volatilität bleibt hoch. Die aktuellen Futures für Brent und West Texas Intermediate liegen bei rund 107 bzw. 93,50 Dollar pro Barrel. Die globale Ölversorgung kann solche Schocks nicht mehr so gut absorbieren wie noch vor drei Wochen. Rystad Energy warnt, dass der globale Ölmarkt sich nicht mehr so gut auf Störungen einstellen kann wie noch vor wenigen Wochen. Putin hat zwar vor übermäßigem Optimismus gewarnt, doch die aktuelle Situation bietet Russland eine unerwartete finanzielle Stärkung. Diese Entwicklung könnte langfristige Auswirkungen auf die globale Energiepolitik haben.
Die russische Wirtschaft wuchs im Jahr 2024 um 4,3 %, doch die Prognosen für 2025 sehen ein Wachstum von lediglich 1 % vor – ein deutlicher Rückgang im Vergleich zum Vorjahr. Die geopolitische Lage im Nahen Osten hat die wirtschaftliche Entwicklung Russlands zusätzlich erschwert.
Die Wende im Ölmarkt ist ein deutliches Zeichen dafür, wie schnell sich globale Machtverhältnisse verschieben können – und welche Konsequenzen dies für die Weltwirtschaft hat.
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