Iran-krieg verschärft öl-krise: us-staatskomplex profitiert

Die Eskalation des Konflikts zwischen Iran und seinen Nachbarn hat eine neue Bedrohung für die globale Energieversorgung ausgelöst. Während die Welt auf eine mögliche Angebotsknappheit zusteuert, positionieren sich die USA und Saudi-Arabien strategisch günstig. Die Unterbrechung des Schiffsverkehrs im Schollkopf des Hormus, einem der wichtigsten Öl- und Gas-Transportwege der Welt, hat die Preise in die Höhe getrieben und die geopolitische Landschaft grundlegend verändert.

Ormuz-knotenpunkt blockiert: ölpreise explodieren

Die Schifffahrt durch den Hormus ist seit Tagen praktisch zum Erliegen gekommen. Die Gründe sind vielfältig: Versicherungen verweigern Deckung, Schiffe verzichten auf die Route aus Angst vor Raketen- und Drohnenangriffen, und einige Reedereien haben die Transporte eingestellt. Diese Entwicklung hat zu einem drastischen Rückgang des Öl- und Gasangebots geführt, schätzt Norbert Rucker von Julius Baer. Die Folge: Der Brent-Ölpreis ist innerhalb einer Woche um rund 16 %, von 72,5 auf 84 Dollar gestiegen. Auch der europäische Gaspreis (TTF) kletterte in vier Tagen um 61 % auf 50 Euro pro MWh.

Die Auswirkungen sind weltweit spürbar. Europa, Asien, darunter Industrienationen wie Japan, Südkorea und China, sind besonders stark betroffen, da sie stark auf Importe angewiesen sind und nur begrenzte Alternativen haben. Schätzungen von Business Insider zeigen, dass die Unterbrechung der Lieferungen aus dem Persischen Golf 20-30 % des globalen Öl- und Gasangebots reduziert.

Russland schloss nicht aus, seine Gaslieferungen an Europa zu reduzieren, und präsentierte sich gleichzeitig als attraktiver Lieferant. Der Preis für den russischen Urals-Öl ist von unter 55 auf über 70 Dollar gestiegen – ein deutlicher Gewinn für Moskau. Doch während Russland durch die Krise profitiert, ist es die strategische Position der USA, die sich als profitabel erweist. Die USA sind nicht nur einer der größten Öl- und Gasproduzenten weltweit, sondern auch ein wichtiger Exporteur. Seit 2020 exportiert das Land netto Öl und seit 2017 netto Gas.

Ein entscheidender Faktor ist die geografische Lage. Die US-Öl- und Gasexporte sind nicht vom Schollkopf des Hormus abhängig. Arabische Sauditien hingegen, dessen Ausfuhren überwiegend über den Hormus erfolgen, ist stark betroffen. Doch Saudi-Arabien hat eine alternative Infrastruktur aufgebaut: Pipelines zum Roten Meer, die selbst bei Konflikten im Persischen Golf ungestört bleiben. Diese Kapazität, die man sich vor Jahren für solche Szenarien absicherte, stellt nun eine wichtige Stütze dar.

Durch die Blockade des Hormus und die geopolitische Unsicherheit haben die USA und Russland ihre Position auf dem globalen Energiemarkt erheblich gestärkt. Zusammen kontrollieren sie nun rund 35 % der globalen Öl- und Gasexporte. Sollte Saudi-Arabien über das Roten Meer weiterhin Exporte gewährleisten können, könnte dieser Anteil sich dem 50 % nähern. Die Situation zeigt, dass geopolitische Krisen nicht nur Leid verursachen, sondern auch neue Machtverhältnisse schaffen.