Fcas-träne: europas kampfjet-traum zerplatzt
Die Illusion einer europäischen Militärluftfahrt ist endgültig geplatzt. Nach fast zehn Jahren von Verhandlungen, Gipfeltreffen und Abmachungen wurde das Future Combat Air System (FCAS)-Programm offiziell aufgegeben. Es war mehr als nur ein Versuch, ein Kampfflugzeug zu bauen – es ging um die Konzeption eines kompletten, sechstgenerationen-geeigneten Kampfsystems, das die aktuellen Rafale Frankreichs und die Eurofighter der deutschen und spanischen Streitkräfte ablösen sollte. Das Ziel: Die Abhängigkeit von US-Technologie zu beenden.
nDie Idee, geboren 2017 durch Emmanuel Macron und Angela Merkel, basierte auf dem Prinzip der System-of-Systems – der Hauptjäger sollte von einer Schwarmdrohnen-Formation begleitet werden, die Raketen abfeuern, feindliche Radare hacken und Aufklärungsaufgaben übernehmen konnte. All diese Komponenten sollten in Echtzeit über ein Cloud-Netzwerk vernetzt sein. Doch die Realität hat sich als unüberwindlich erwiesen.
nDas fundament der fehleinschätzung: vertrauensverlust und besitzdenken
nNach Jahren von öffentlicher Kontroversen, Unmuten und Anschuldigungen waren die drei Partner – Frankreich, Deutschland und Spanien – nicht in der Lage, sich zu einigen. Der Überschall-Flugzeugprototyp X-59 der NASA, der in der Lage ist, „leise“ mit 1.480 km/h (Mach 1,4) und 16.700 Metern Flughöhe zu fliegen, mag ein technologischer Meilenstein sein, doch er ist nur ein Symptom. Der eigentliche Grund für das Scheitern liegt in der tief verwurzelten Geschäftsmoral und der Angst vor Kontrollverlust. Dass Dassault, der Hersteller des Rafale, Airbus über die Schulter guckte – und die Befürchtung hatte, dass die französischen Ingenieure und Experten durch den Austausch von Designmethoden mit ihren deutschen und spanischen Kollegen ihre industriellen Geheimnisse preisgeben würden – war ein entscheidender Faktor.
nAirbus wiederum akzeptierte keine untergeordnete Rolle in einem Flugzeug, das mit den Steuern aller drei Nationen finanziert werden sollte. Ein Kostenanteil, der im Verhältnis zu den jeweiligen Beiträgen stand. Dieses Misstrauen und Eigennutz haben den Prozess blockiert.
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Unterschiedliche bedürfnisse, unterschiedliche prioritäten
nDie Sehnsucht nach Autarkie trug eine eigene, gefährliche Logik. Die ukrainische Gegenoffensive gegen die russischen Schahid-Drohnen hat die Notwendigkeit einer effektiven Luftverteidigung eindrücklich demonstriert. Gleichzeitig hat sie auch aufgezeigt, dass die nationalen Bedürfnisse der einzelnen Länder fundamental verschieden sind. Frankreich brauchte einen Jäger, der von seinen Flugzeugträgern starten und landen konnte und der in der Lage war, sein Atomwaffenarsenal zu transportieren. Deutschland wiederum suchte einen Bodenjäger. Spanien blieb weitgehend außen vor. Hinzu kommt das Problem der Exportpolitik. Die französische Rüstungsindustrie benötigt den Verkauf ihrer Flugzeuge an Drittländer, um die Produktion rentabel zu halten. Die deutsche Ablehnung jeglicher Exportmöglichkeiten war daher ein unüberwindbarer Hürdenfall.
nDie Verzögerungen bei der FCAS-Entwicklung führten dazu, dass die europäischen Regierungen in Panik gerieten, da ihre bestehenden Flugzeuge immer schneller an ihre Leistungsgrenze stoßen. Die Bundesregierung hat sich daher bereits für den Kauf von 35 F-35A von der USA entschieden, um ihre nuklearen Schutzaufgaben innerhalb der NATO zu erfüllen. Letztendlich ist das FCAS-Projekt, bedauerlicherweise, ein Fehlschlag geblieben.”n
