Brics im zwielicht: indien zwischen washington, teheran und moskau

Die BRICS-Staaten stehen vor einer Zerreißprobe. Während die Welt auf die Folgen der jüngsten US- und israelischen Angriffe auf Iran blickt, blockiert die Gruppe eine klare Stellungnahme. Die diplomatische Ausrichtung Indiens, als aktuelles BRICS-Präsidentschaftsland, wird dabei besonders auf die Probe gestellt.

Diplomatisches dilemma: indien ringt mit loyalitäten

Diplomatisches dilemma: indien ringt mit loyalitäten

Fast einen Monat nach den verheerenden Luftangriffen auf iranische Kommandeure, die eine globale Energiekrise auslösten, zeigt sich die BRICS-Koalition handlungsunfähig. Die Versäumnis, sich zu positionieren, ist kein Zufall. Die internen Spaltungen innerhalb des Blocks, die durch unterschiedliche Interessen geprägt sind, verhindern eine gemeinsame Linie. Iran, der seit 2024 Mitglied der BRICS ist, konterte mit Raketenangriffen auf die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) und Saudi-Arabien – Staaten, die ebenfalls Mitglieder des Zusammenschlusses sind oder eine Mitgliedschaft in Erwägung ziehen.

Teheran hat Indien öffentlich dazu aufgerufen, die militärische Kampagne der USA und Israels zu verurteilen. Doch die Position Neu-Delhis ist kompliziert. Einerseits pflegt Indien enge Beziehungen zu Washington und Tel Aviv, Premierminister Narendra Modi war erst kurz vor dem Konflikt in Israel. Andererseits sind die wirtschaftlichen Verbindungen zu den Golfstaaten, in denen Millionen indischer Staatsbürger arbeiten, bedeutend. Zudem ist Indien stark auf die Öl- und Gaslieferungen über den schiffbaren Schah-Straße angewiesen, die durch den Konflikt gefährdet sind. Die sicherheitshalber getroffenen Vereinbarungen für einige Tanker sind lediglich ein Tropfen auf dem heißen Stein.

Die fehlende Bereitschaft der BRICS, sich zu einer klaren Position zu bekennen, wirft Fragen nach ihrer Relevanz auf. Ähnlich agierte der Block bereits 2019 im Fall der Festnahme von Nicolás Maduro in Venezuela. Die internen wirtschaftlichen Probleme der Schwellenländer tragen ebenfalls zu der Lähmung bei. Der eigentliche Zweck der BRICS scheint sich zunehmend auf die Bereitstellung eines Forums für Entwicklungsländer zu beschränken, anstatt geopolitische Entscheidungen zu treffen.

Der iranische Präsident Ebrahim Raisi hat Modi bereits eindringlich aufgefordert, die BRICS zu nutzen, um Aggressionen gegen sein Land zu stoppen. Die diplomatische Herausforderung für Indien ist immens. Die Balance zwischen den Interessen großer Mächte und den eigenen wirtschaftlichen und sicherheitspolitischen Bedürfnissen zu halten, ist ein schwieriges Unterfangen. Und die Zeit drängt, denn die Instabilität in der Region könnte weitreichende Folgen haben.

Die Stille der BRICS ist mehr als nur eine Zögerlichkeit – sie ist ein Zeichen der wachsenden Fragilität des Blocks und der zunehmenden Schwierigkeiten, eine gemeinsame Stimme in einer zunehmend polarisierten Welt zu finden.

Die kommenden Wochen werden zeigen, ob sich die BRICS aus dieser Krise erholen können – oder ob sie ihren Anspruch als wichtiger Akteur in der globalen Politik endgültig verlieren.

Die hohe Abhängigkeit Indiens von Energieimporten aus der Region macht die Situation noch prekärer. Die geopolitische Lage rund um die Öl- und Gasvorkommen im Persischen Golf wird sich weiter verschärfen.

n